Geschichte des Mittelmeers

Das Mittelmeer – ein weltweit einzigartiges geologisches Phänomen

Am Mittelmeer schätzen wir in erster Linie den Sonnenschein, die entspannte und herzliche Lebensart der Menschen, die in den an seine Küsten grenzenden Ländern leben, und die Spuren der antiken Kulturen, die unsere Kulturgeschichte maßgeblich geprägt haben. Es ist allerdings auch sehr interessant, das Mittelmeer einmal aus einer wesentlich größere Zeitspannen umfassenden Perspektive zu betrachten, denn die Mittelmeerregion ist eine weltweit einzigartige Besonderheit.

Auf den Spuren des Urozeans

Vor 200 Millionen Jahren bildete das Mittelmeer einen Teil des Urozeans, der sich rund um den einzigen existierenden Kontinent Pangäa erstreckte. Im Zuge von komplexen Verschiebungen der großen Platten der Erdkruste zerbrach der Urkontinent in mehrere Teile, die auseinanderdrifteten – unsere heutigen Kontinente. Im Laufe der Jahrmillionen drückte die Afrikanische Platte stetig gegen die Europäische, wodurch unter anderem die Alpen entstanden – und zwar an einer Stelle, die zuvor von Wasser bedeckt war, wie Fossilienfunde beweisen.
Vor etwa sechs Millionen Jahren schloss sich durch diese großräumigen geologischen Verschiebungen die Meerenge von Gibraltar, so dass das Mittelmeer vom restlichen Ozean getrennt wurde. Danach trocknete das Mittelmeer nahezu vollständig aus. Das verdunstete Wasser hinterließ große Salzablagerungen und eine lebensfeindliche Umwelt. Nach einer erdgeschichtlich betrachtet sehr kurzen Zeitspanne von wenigen tausend Jahren füllte sich das Mittelmeerbecken jedoch sehr schnell wieder mit Wasser, da die Meerenge von Gibraltar im weiteren Verlauf der tektonischen Plattenverschiebungen von den gewaltigen Wassermassen des Atlantischen Ozeans wieder durchbrochen wurde.

Außergewöhnlicher Salzgehalt

In der Geschichte des Mittelmeeres war die Höhe des Meeresspiegels vielen weiteren großen Schwankungen unterworfen, so dass manche Inseln vorübergehend überflutet wurden, während andere sich mit dem Festland verbanden oder zusammenwuchsen, so wie Korsika und Sardinien.
Auch heute noch ist der Salzgehalt des Mittelmeeres beinahe vier Prozent höher als im Atlantischen Ozean oder im Pazifik, da die hohe Verdunstung weder vom Süßwasserzufluss der Flüsse noch vom  Salzwasserzufluss durch die schmale Straße von Gibraltar ausgeglichen werden kann. Die Meerenge von Gibraltar bedingt noch eine weitere Besonderheit des Mittelmeeres, nämlich die geringe Ausprägung der Gezeiten.

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